Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich)
Ohne Worte / Unmenschlich
Heute fand in Mainz ein Fußballspiel statt.
Die Spielplangestalter der DFL hatten ein großartiges Händchen. Unter völliger Umgehung der Kräfteverhältnisse in der Liga ermöglichten sie beiden Mannschaften eine längere Ruhephase nach den Pokalniederlagen und servierten den Fans gestern den Vorjahresvize zur Primetime, der gegen die Werkself aus Leverkusen das erhoffte Spiel zeigte.
So eine Heimniederlage des Erzfeindes (6 Punkte!) kann die Vorfreude auf ein Spiel, das die beiden Tabellenersten gegen einander zeigt, schon mal ins Uferlose steigern.
Entsprechend beseelt nahm die Gemeinde den Auftritt der Dortmunder in Mainz auf.
Unter uns: Für mich wäre ein Unentschieden vorher gekauft gewesen.
Die Fragilität des Dortmunder Kaders, die Formschwäche Einzelner und die Qualität des Gegners ließen befürchten, dass heute bei den Dortmunder Fans sehr viel psychische Stabilität gefordert sein könnte.
Doch es kam anders.
Wenn ich richtig informiert bin, wird in Mainz auch die gegnerische Aufstellung vom Sprecher so vorgetragen, dass die Auswärtsfans den Nachnamen brüllen können wie daheim. Das werden sie aus voller Brust abgewickelt haben. Danach veredelten sie ihre Auswärtsfahrt mit einer hübsch anzusehenden Choreo und empfingen beide Teams zu einem Hochamt des geliebten Sports.
Karnevalistisch geschminkte Mainzer blickten erwartungsfroh auf den Rasen und beobachteten eine forsche Spielaufnahme ihrer Helden, die sich in den ersten Minuten Feldvorteile erspielten, weil der BVB zu Beginn recht tiefstehend reagierte. Man spielte Auswärts und ließ die Dinge wortwörtlich auf sich zukommen. Es kam zu einer frühen Ecke und einigen Bällen in den Strafraum, die etwas Gefährliches hätten bewirken können aber nicht taten.
Wenn wir uns dies für die ersten 15 Minuten vorstellen, liegen wir richtig.
Jetzt wird es taktisch. Gemeinhin läuft die Spieleröffnung über Nuri Sahin, der die Angriffe von einer Sechserposition initiiert. Bringen wir Walter ins Spiel, der aus meiner Sicht richtig beobachtet hat, dass Nuri die Mainzer Aufmerksamkeit galt und man ihn doppelte, wo es ging. Also wurde Nuris Position einfach überbrückt, und die Innenverteidiger eröffneten einfach 20 Meter weiter nach vorn, wo Kagawa oder Götze die Bälle aufnahmen und dadurch das Spiel zur Überraschung der Mainzer beschleunigten. Das funktionierte aber auch nur deshalb, weil die Seiten mitmachten und als Anspielstationen schon deutlich in der Hälfte des Gegners zur Verfügung standen. Das wiederum brachte die Mainzer in der Rückwärtsbewegung von einer Schwulität in die nächste, weil ihre Außenverteidiger eben nicht wirklich schnell sind und deshalb tief aufgestellt sind. So kann man die Halbpositionen aussichtsreich einsetzen und Druck auf die Laufkundschaft des deutschen Vorstopperwesens aufbauen, die man vorher gar nicht im Fokus wähnte, weil Abwehr in Mainz bislang nicht das abendfüllende Thema war. Großkreutz dödelte nicht rum sondern verlängerte schnell. Bender konnte sogar nachrücken und Holtby vergessen. Wenn Klopp das so geplant hat, ist er ein ganz Großer seiner Zunft und deutet an, was Student (Tuchel) vom Meister trennt.
Zum Thema Chancenverwertung habe ich schon geschrieben und möchte die Litanei nicht wiederholen. Dortmund war spätestens ab Minute 20 feldüberlegen und die Blitzstatistiken der Ticker verschoben sich auch zahlenmäßig ins Ruhrgebiet. Es gab fünf bis sechs Großchancen und mindestens zwei Tore zu wenig, um den Spielverlauf der ersten Halbzeit würdig abzubilden. Dortmund ging in die Pause mit einem 1:0, welches von Götze so genial erzielt wurde, dass die angedachte Verpflichtung eines kleinen Argentiniers aus Barcelona wieder zu den Akten gelegt werden kann.
Nach der Pause war der Puls schnell wieder im Himmel. Subotic soll im Strafraum gefoult haben. Ich warte die Zeitlupen des WDR ab, melde aber schon mal massive Zweifel an. Dann passiert etwas, was Weide sich Offenbach abgekuckt haben muss. Er reagiert superfrüh und neutralisiert einen Strafstoß, der von Eugen Polanski auch nicht gerade zwingend abgefeuert wurde. Polanski war übrigens einer der Schattenmänner für Sahin – machte seine Sache eigentlich auch ganz ordentlich und durfte zusehen, wie das Ergebnis seiner Bemühungen den Erfolg des BVB erzwang. Wieder ein schneller Ball durch die Mitte (ich sage nie wieder was) und Götze setzt Barrios ein, der das in der Soccerworld auch nicht anders gespielt hätte.
Mainz machte nach dem Elfer wirklich nichts und nach dem 0:2 überhaupt nichts mehr. Tuchel hatte zum Schluss alles auf dem Platz, was nach Torgefahr aussah und konnte selbst den Ausfall des überragenden Hummels nicht verwerten, der heute den Beckenbauer machte.
So bleiben eine angenehme Überraschung und hoffentlich unverletzte Dortmunder, denen am Donnerstag ein Geisterspiel erspart bleibt, weil so viele Menschen in schwarzgelb mitfahren.
Nie ist ein Team des BVB so erfolgreich auswärts in die Saison gestartet usw..
Wer jetzt sagt, dass man auch ohne Sahin kann, irrt sich ganz sicher, denn er machte heute durch bloße Anwesenheit den Weg für dieses 18jährige Ufo frei.
Klopp kann jetzt auch meinetwegen anordnen, dass sich die Spieler die Schuhe verkehrtherum anziehen. Wird schon Sinn machen.
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Kruppiot, 31.10.2010, 19:08
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Lisa, 31.10.2010, 19:51
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Herr Hrdlicka, 31.10.2010, 20:18
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Alex Frei, 31.10.2010, 20:33
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Kruppiot, 31.10.2010, 20:40
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- Zur Lage (Ohne Worte / Unmenschlich) - Lisa, 31.10.2010, 19:51