urlaubslektuere
Joachim c. Fest - das Gesicht des dritten Reichs.
Psychologische Porträts der handelnden oder eben auch zögernden Männer. Wie es sich gehört manchmal urkomisch oder schaudernd oder beides zugleich. Die Kapitel über heydrich und Himmler sind berührend. Die Rede von Himmler an die Ss Gruppenfuehrer, wo er über den anstand der Ss in der Ausführung der Endloesung philosophierte war mir neu, ebenso wie die Feststellung, dass heydrich, der sein jüdisches Blut überwunden habe, der beste Mann sei für die Lösung der Judenfrage sei. Im gleichen Atemzug wird auch heydrichs Fähigkeit als violinist gerühmt. Diese zeige er allerdings zu selten...
Ein wunderbares Porträt der inhumanitaet. Es zeigt wie gut chaplin die Grossen drei eingefangen hat. Die bormanns, himmlers und heydrichs sind ihm entgangen.
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Über die Menschen brauchen wir nicht mehr zu reden. Fest ist unzumutbar. Er hat Speer überhaupt erst möglich gemacht.
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Fest ist unzumutbar. Er hat Speer überhaupt erst möglich gemacht.
Inwiefern?
Das Buch ist nach meinem Kenntnisstand das erstlingswerk von Fest. Hab bis dato nichts unzumutbares an der Darstellung gefunden.
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Earl, ich empfehle:
![[image]](http://ecx.images-amazon.com/images/I/51YSD3GZVKL.jpg)
Die berüchtigte Geheimrede, die der Reichsführer-SS und damalige Innenminister Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 im Posener Schloss vor 92 Generälen der SS hielt, gehört zu den wichtigsten und schockierendsten Zeugnissen der nationalsozialistischen Geschichte. Die dreieinhalbstündige, auf Wachsplatten festge- haltene Rede wurde im Wortlaut genau rekonstruiert und vom Schauspieler Manfred Zapatka vorgetragen.
Zu Fest und Speer: Kruppi hat insofern recht, als Fest Speer bei der Abfassung seiner "Erinnerungen" als Ghostwriter und später als Verfasser einer Speer-Biographie mit einer wohlwollenden Tendenz diente und somit erheblichen Anteil am Aufbau der Speerschen Lebenslüge und "an der Erzeugung des Markenartikels Speer Ende der sechziger Jahre” (Historiker W. Benz) erheblichen Anteil hatte.
Im Nürnberger Prozeß leistet Speer zwar den Lip Service, eine allgemeine Verantwortung für die Taten des NS-Regimes auf sich zu nehmen, wollte aber nicht (auch nicht sich selbst gegenüber) eingestehen, wie stark er sich persönlich in diese Verbrechen verstrickt hatte.
![[image]](http://ecx.images-amazon.com/images/I/517CFGCGWML._SS500_.jpg)
Gitta Serenys Biographie, ein "Psychogramm eines Mannes, der ehrgeizig und blauäugig gleichermaßen einen Pakt mit dem Teufel schloß" (Klappentext), kann als Gegenlektüre zu Fests empfohlen werden.
Sie enthält u.a. lange Passagen zu Speers Verteidigungsstrategie gegen Goldhagens Publikation "Albert Speer, Himmler and the Secret of the Final Solution". V.a. gegen die Behauptung Goldhagens, Himmler habe bei seiner Posener Rede vor Reichs- und Gauleitern am 6. Oktober 1943, einer Parallelveranstaltung zu der von dir erwähnten Rede vor SS-Gruppenleitern am 4. Oktober 1943, Speer persönlich angesprochen hinsichtlich der Notwendigkeit, über Judenleichen zu gehen. Speer stritt ab, an dieser Konferenz teilgenommen zu haben, und verwickelte sich zunehmend in Widersprüche. Seine Teilnahme gilt jedoch als gesichert.
Zu den Posener Reden Himmlers:
http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Reden#Bemerkung_.C3.BCber_Albert_Speer
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Earl, ich empfehle:
Die berüchtigte Geheimrede, die der Reichsführer-SS und damalige Innenminister Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 im Posener Schloss vor 92 Generälen der SS hielt, gehört zu den wichtigsten und schockierendsten Zeugnissen der nationalsozialistischen Geschichte. Die dreieinhalbstündige, auf Wachsplatten festge- haltene Rede wurde im Wortlaut genau rekonstruiert und vom Schauspieler Manfred Zapatka vorgetragen.Zu Fest und Speer: Kruppi hat insofern recht, als Fest Speer bei der Abfassung seiner "Erinnerungen" als Ghostwriter und später als Verfasser einer Speer-Biographie mit einer wohlwollenden Tendenz diente und somit erheblichen Anteil am Aufbau der Speerschen Lebenslüge und "an der Erzeugung des Markenartikels Speer Ende der sechziger Jahre” (Historiker W. Benz) erheblichen Anteil hatte.
Im Nürnberger Prozeß leistet Speer zwar den Lip Service, eine allgemeine Verantwortung für die Taten des NS-Regimes auf sich zu nehmen, wollte aber nicht (auch nicht sich selbst gegenüber) eingestehen, wie stark er sich persönlich in diese Verbrechen verstrickt hatte.
Gitta Serenys Biographie, ein "Psychogramm eines Mannes, der ehrgeizig und blauäugig gleichermaßen einen Pakt mit dem Teufel schloß" (Klappentext), kann als Gegenlektüre zu Fests empfohlen werden.
Sie enthält u.a. lange Passagen zu Speers Verteidigungsstrategie gegen Goldhagens Publikation "Albert Speer, Himmler and the Secret of the Final Solution". V.a. gegen die Behauptung Goldhagens, Himmler habe bei seiner Posener Rede vor Reichs- und Gauleitern am 6. Oktober 1943, einer Parallelveranstaltung zu der von dir erwähnten Rede vor SS-Gruppenleitern am 4. Oktober 1943, Speer persönlich angesprochen hinsichtlich der Notwendigkeit, über Judenleichen zu gehen. Speer stritt ab, an dieser Konferenz teilgenommen zu haben, und verwickelte sich zunehmend in Widersprüche. Seine Teilnahme gilt jedoch als gesichert.
Zu den Posener Reden Himmlers:
http://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Reden#Bemerkung_.C3.BCber_Albert_Speer
Big thx fur die Empfehlungen. Fests Speer Bio und ihre Problematik, möglicherweise sogar Tragik für Fest ist mir bekannt. Möglicherweise ist sie Folge des Ansatzes den Fest bereits im erstlingswerk wählt. Trotzdem sind die Ergebnisse dieses zumindest bei den personen heydrich und Himmler beruehrend. Die Ausarbeitung der jeweiligen Persönlichkeit und wie diese unter den Bedingungen, die Sie vorfanden, zu dem diabolischen Ausmaß hineinwachsen könnten, ist gut gelungen.
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Earl, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Deiner Bewertung der von dir empfohlenen Urlaubslektüre stimme ich ja zu. 
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Es ist völlig unerheblich, ob Speer direkt angesprochen werden konnte oder nicht. Gerade in Berlin ist noch heute zu sehen, dass Speer seinen Anteil hatte. Sein Stellvertreter wurde zum Tode verurteilt. Ich mag das Buch der Frau Sereny, die Speer schon frühzeitig entzaubern konnte. Breloer hat eine homosexuelle Beziehung ohne Vollzug aus diesem Verhältnis gemacht, weil Hitler angeblich nur mit Speer zum Künstler werden konnte, was er ja nach eigener Einschätzung war.
Ich bin immer noch entsetzt über das vermeintliche Ruhmesblatt. Ist es eine schwere Aufgabe, Menschen umzubringen? Einfach nicht machen und schon braucht man sich nicht dessen zu rühmen. Es mag sein, dass Heydrich und Himmler ambivalente Charaktere waren, sie waren aber nunmal Teil eines blutigen Geschäftes, dass sie voran getrieben haben.
urlaubslektuere
Die besagte Ambivalenz ist v.a. in zweierlei Hinsicht ausgeprägt:
Erstens, daß man tagsüber die "Blutarbeit pflichtgemäß" - und wie's in Himmlers Posener Rede heißt "abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein" - verrichtet, nach "Dienstschluß" jedoch sentimental ergriffen, tränenreich, selbstmitleidsvoll in Hymnen von Beethoven oder Oden an die Menschlichkeit versinkt oder schwelgt.
Tagsüber gilt also Buchenwald, abends Weimar.
Die zweite Ausprägung ist an dem Beispiel Bruno Kittels, des Kommandanten des Ghettos Wilna, zu illustrieren.
Kittel, Schauspieler, Pianist und Sänger, trat jeden Sonntag im Wilnaer Radio auf, spielte auf silbernem Saxophon und bot romantische Lieder zum Besten.
Bei der Liquidierung des Ghettos befahl Kittel seinen Untergebenen, ein Piano herauszutragen. Er setzte sich hin und fing an zu spielen.
Dies verstand ein jüdischer Junge als eine Geste oder ein Signal der Menschlichkeit, zumindest einer menschlichen Regung, die Appellen gegenüber empfänglich ist.
Er warf sich Kittel zu Füßen und bat flehentlich um Verschonung. Kittel zog einen Revolver heraus, erschoß mit der einen Hand diesen Jungen, während er mit der anderen ungerührt weiterspielte.
Wäre dies nicht historisch überliefert, müßte man annehmen, hier habe ein Romanautor ein Denkbild in eine Handlung gleichsam metaphorisch überführt.
Übrigens: Den "Fall Kitttel" hat Joshua Sobol seinem Theaterstück "Ghetto" zugrundegelegt.
urlaubslektuere
Derartige Geschichten lassen mich immer völlig konsterniert zurück. Es ist für mich abseits eigener Erfahrungen und somit nur rational greifbar. Was ich aus eigenem erleben kenne ist tatsächlich eher der Typus der in der Sa Platz gefunden hätte. Die ambivalenten Charaktere scheinen mir diejenigen zu sein, die zum perfiderem taugen.
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Derartige Geschichten lassen mich immer völlig konsterniert zurück. Es ist für mich abseits eigener Erfahrungen und somit nur rational greifbar. Was ich aus eigenem erleben kenne ist tatsächlich eher der Typus der in der Sa Platz gefunden hätte. Die ambivalenten Charaktere scheinen mir diejenigen zu sein, die zum perfiderem taugen.
Da haben wir's ja meist mit den Charakteren der kalten, zynischen, machtgeilen Karrieristen zu tun.
Sicherlich kennste Jonathan Littells Roman: Die Wohlgesinnten, den "fiktiven Lebensbericht eines hohen SS-Offiziers, ein Epos, das ein detailgetreues Bild des 2. Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten zeichnet" (Klappentext).
Sein Pendant findet dieser Roman sicherlich in der wissenschaftichen Großstudie Michael Wildts: Die Generation des Unbedingten. Das Führungspersonal des Reichssicherheitshauptamts.