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urlaubslektuere

Schwejk, Mittwoch, 18. Juli 2012, 20:54 @ Kruppi!
bearbeitet von Schwejk, Mittwoch, 18. Juli 2012, 21:03

Die besagte Ambivalenz ist v.a. in zweierlei Hinsicht ausgeprägt:

Erstens, daß man tagsüber die "Blutarbeit pflichtgemäß" - und wie's in Himmlers Posener Rede heißt "abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein" - verrichtet, nach "Dienstschluß" jedoch sentimental ergriffen, tränenreich, selbstmitleidsvoll in Hymnen von Beethoven oder Oden an die Menschlichkeit versinkt oder schwelgt.

Tagsüber gilt also Buchenwald, abends Weimar.

Die zweite Ausprägung ist an dem Beispiel Bruno Kittels, des Kommandanten des Ghettos Wilna, zu illustrieren.

Kittel, Schauspieler, Pianist und Sänger, trat jeden Sonntag im Wilnaer Radio auf, spielte auf silbernem Saxophon und bot romantische Lieder zum Besten.

Bei der Liquidierung des Ghettos befahl Kittel seinen Untergebenen, ein Piano herauszutragen. Er setzte sich hin und fing an zu spielen.

Dies verstand ein jüdischer Junge als eine Geste oder ein Signal der Menschlichkeit, zumindest einer menschlichen Regung, die Appellen gegenüber empfänglich ist.

Er warf sich Kittel zu Füßen und bat flehentlich um Verschonung. Kittel zog einen Revolver heraus, erschoß mit der einen Hand diesen Jungen, während er mit der anderen ungerührt weiterspielte.

Wäre dies nicht historisch überliefert, müßte man annehmen, hier habe ein Romanautor ein Denkbild in eine Handlung gleichsam metaphorisch überführt.

Übrigens: Den "Fall Kitttel" hat Joshua Sobol seinem Theaterstück "Ghetto" zugrundegelegt.

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