"Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?"
Friedrich Küppersbusch: Laut Rechnungshof schönt die Arbeitsagentur ihre Vermittlungserfolge.
taz: Was wird besser in dieser?
F. K.: Ab sofort darf sich nur noch arbeitslos melden, wer einen neuen Job in Aussicht hat. (…)
taz: Bundespräsident Gauck war bei Obamas Stippvisite zu Tränen gerührt. Ist Joachim Gauck ein Fanboy?
F. K.: Gauck ist sich selbst noch stets der größte Fan. So genießt er seine überraschende Teilnahme an Ereignissen und kommt deutlich unverkrampfter rüber als die Kanzlerin, der Körperkontakt eine Fremdsprache bleibt. Gauck freut sich über Obamas Schultergriff, Merkel ging das Küsschenritual im Ehrenhof offensiv an mit einer „Dann habe ich das hinter mir“-Körpersprache. Völlig unseriöse Betrachtung, klar. Zugleich der einzige Blickwinkel, aus dem man einen Hauch Authentizität erspüren kann.
taz: In Brasilien gehen die Menschen gegen die Fußballweltmeisterschaft auf die Straße. Sie fordern Investitionen ins Bildungs- und Gesundheitswesen und Schluss mit der Korruption. Funktioniert das Prinzip Brot und Spiele nicht mehr?
F. K.: Man kann den Fluchtweg der Fifa – 2018 Russland, 2022 Katar – so lesen: Je totalitärer, desto besser passt ein Regime zu Entmündigungsmaschine Fifa. Im relativ wehrlosen Südafrika vermodern die steuerfinanzierten Balltempel von 2010 längst. Deutschland ging es 2006 einfach zu gut, um mehr als ein paar Witze über die Fifakratur zu machen. Organisatoren und neoliberale Ökonomen argumentieren mit der segensreichen Aufwertung eines Turniergastgebers. Waren wir schön blöd, mit der DDR zu fusionieren, statt eine Fifa-WM gegen sie zu verhängen.
taz: Die Union hat in der vergangenen Woche ihr Wahlprogramm vorgestellt. Hat die CDU wirklich den besten Tierschutz?
F. K.: Ach, komm. Die Kernworte heißen „Finanzierungsvorbehalt“ und „Koalitionspartner“. Letztes Mal hieß es: Atom bleibt, Wehrpflicht bleibt, Praxisgebühr bleibt, Altersarmutsrente kommt, Steuerreform kommt. Das alles steht im Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb – mithin eine umfassende Sammlung exakt dessen, was die Regierung nicht gemacht hat. Warum soll man Nüchternheitsverheißungen eines Quartalssäufers diskutieren? (…)
taz: Merkel bezeichnete das Internet letzte Woche als „Neuland“. Ist sie der Christopher Columbus der digitalen Welt?
F. K.: Das war, neben vielem, ein Selbstmordanschlag auf einen Wirtschaftszweig. Chinesische oder amerikanische Wettbewerber haben ihre deutsche Konkurrenz jetzt amtlich als Hinterwäldler etikettiert bekommen. Merkel podcastet, bietet eine interaktive Kanzlersite und gibt hier mal die Feuerzangenbowlerin: „Watt ise ne Internet? Da stelle mer uns mal janz dumm.“
taz: Und was machen die Borussen?
F. K.: Nehmen Eintritt beim ehedem gratis gefeierten Saisonauftakt. So soll eine versprochene Spende für Flutopfer finanziert werden. Was also natürlich keine Spende ist, bei Lichte betrachtet, sondern ganz einfach bei den Fans abkassieren bedeutet. Fragen: EA/CF
http://www.taz.de/Die-Woche/!118612/
Und noch einen drupp:
![[image]](http://www.soccer-fans.de/attachments/borussia-dortmund/26299d1372079879-neues-bvb-puma-heim-trikot-2013-2014-2013-06-24-12.13.21.jpg)
"Ihr Auftritt, Herr Küppersbusch!"
"Ihr Auftritt, Herr Küppersbusch!"
Offensichtlich unter diesem Link inzwischen aktualisiert,
"nun, denn, also Folge 8:
"Es ist alles im Fluss: Whistleblower Edward Snowden ist weiterhin
auf der Flucht, der Prozess gegen die Zwickauer Mörderbande geht
weiter, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei irgendwie auch.
Außerdem lernen wir Gerald Hennenhöfer kennen und feiern seltene
Momente der Sozialdemokratie." 