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"Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?"

Herr Hrdlicka, Montag, 01. Juli 2013, 01:41

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: „Die Amerikaner behandeln uns wie Feinde“, (resümiert) Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger.

taz: Was wird besser in dieser?

F. K: Sie ist unter Kohl schon für weniger aus dem Kabinett geflogen. Wenn die FDP sich mit ihrem Ein-Frau-Bürgerrechtsflügel über 5 Prozent rettet, wäre es eine feine Pointe.

taz: Lance Armstrong sagt, dass die Tour de France ohne Doping gar nicht zu gewinnen sei. Sie findet trotzdem statt. Warum?

F. K.: Die Tour war seit Anbeginn eine Apothekenrundfahrt, schon bei der ersten Pyrenäen-Etappe 1910 brüllte der spätere Toursieger Lapize dem Veranstalter ein herzliches “Ihr seid alle Mörder!“ entgegen. 1924 brachen die führenden Gebrüder Pelissier die Tour in einem Dorfgasthof ab, kotzten sich vor Journalisten über Sponsoren-leibchen aus und präsentierten “Dynamit“ aus der Trikottasche – Koks, Chloroform und interessante chemi-
sche Versuche. 1968 starb der Brite Tom Simpson am Mont Ventoux an einer Mischung aus Alkohol, Amphe-
taminen und Irrsinn.
Den deutschen Radprofi Rudi Altig hieß man “die radelnde Apotheke“ – was ihm immerhin eine zweite Karriere als ARD-Tour-Experte bescherte, wo er zum Thema Doping gern von “schwarzen Schafen“ sprach. Die Schwelle, jenseits derer man “ohne sorgfältige Präparation“ nicht weiterkommt, liegt spätestens beim Übergang vom Amateur- zum Profilager. Wer Radsport ohne Doping sehen will, kann den Radwanderweg Ruhr von Quelle bis Mündung verfilmen. (…) [Schwejk Josef, Deine Tour de Ruhr, abba mit ohne ... bitte! - H.R.]

taz: Ecuador hat ein wichtiges Zollabkommen mit den USA aufgekündigt. Das Land will deutlich machen: Im Fall Snowden entscheiden wir unabhängig. Was sagt uns das?

F. K.: Den Befehlen zuwiderhandeln, seine militärischen Vorgesetzten belügen und notfalls umbringen, in der Gewissensnot den falschen Eid brechen und mit dem Gegner kompaktieren: Wir müssten mal entscheiden, ob wir Stauffenberg noch im Lehrplan halten können, wenn wir Snowden ordentlich verachten wollen. Die Nachricht an die nächsten Mannings und Snowdens, die der Demokratie einen Dienst erweisen könnten: Schaut euch nur an, was aus euch wird. Welche Demokratie, die von seinen Enthüllungen profitiert, ist bereit, ihn zu nehmen? (…)

taz: Steinbrück düpiert Merkel bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Seine Wüstenmetapher ist beein-
druckend. Aber was zum Teufel bedeutet denn eigentlich “reziplikativ“?

F. K.: 18.000 Fundstellen bei Google! Es soll “inhaltsleer“ heißen. Steinbrück hat mir immerhin zum ersten Mal seit Jahren den “kleinen Stowasser“ in die Hand gezaubert – wo es auch nicht drinsteht. [*)]

taz: Und was machen die Borussen?

F. K.: Sind verdächtig nahe an der “Nächste-Saison-müssen-wir-aber-mindestens“-Falle. Die kloppoide Antwort kann nur stets lauten “… Spaß haben!“ FRAGEN: EA

http://www.taz.de/Die-Woche/!119038/

*) “Eine Geschichte von ganz früher, aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat er parat. Da habe Fritz Erler, seinerzeit SPD-Fraktionsvorsitzende, dem CDU-Bundeskanzler Ludwig Erhard nach dessen Regierungserklärung geantwortet: ’Die Rede des Herrn Bundeskanzler war sehr reziplikativ.’ Damals im Plenarsaal am Rhein, erzählt Steinbrück, seien Raunen und Unruhe notiert worden, was das denn nun wieder bedeute. Raunen und Unruhe auch im Reichstagsgebäude. Reziplikativ?

Steinbrück übernimmt das Zitat Fritz Erlers:’Das heißt gar nichts. Es spricht sich nur so gut.’ Beifall und Lachen also bei SPD und Grünen. Schon drei, gar vier Mal habe er, ruft Steinbrück, so eine Regierungserklärung der Kanzlerin gehört. Von einem ’Schlafmittel’ spricht er. ’Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis’, ruft Steinbrück, hätte Frau Merkel auch sagen können. ’Von dieser Bundesregierung haben wir nichts mehr zu erwarten. Sie bringt seit langem nichts mehr zustande. Es ist Zeit für einen Wechsel’, beendet er seine Rede – pflichtgemäß. Und ebenso pflichtgemäß versichern gesprächsweise die Abgeordneten der Koalition, Steinbrücks Rede sei nicht kanzlertauglich gewesen.“

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bundestag-immer-schoen-reziplikativ-bleiben-12262592.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/schlagabtausch-im-bundestag-1.1707462

(Hervorh.: H.R.)

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