"Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?"
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?
Friedrich Küppersbusch: Das Spitzelstaat-Thema mobilisiert nicht im Wahlkampf.
taz: Was wird besser in dieser?
F. K.: Ein Terroranschlag, und die Union geht über 40 Prozent.
taz: Angela Merkel stellt fest: „Deutschland ist kein Überwachungsstaat“! Alles gut jetzt?
F. K.: „Es ist nicht meine Aufgabe, mich in Details von griechischen Staatsanleihen einzuarbeiten“ – so eine Hohlladung müsste Merkel schon raushauen, um Steinbrücks Wahlkampf noch mal wachzuküssen. Der gleiche Satz mit „Details von prism“ funktioniert – für viele Unionswähler, denen das Netz Thingstätte von Kinderporno und Bombenbastlern dünkt. Und es ist die klügste Zweitstimmenkampagne, die der FDP jemals nicht selbst eingefallen ist. Merkel hat etwas zu verbergen, und immerhin gelingt ihr das: ihre Detailkenntnis.
taz: Die Bayern-SPD kommt nur noch auf 18 Prozent. Müssen wir uns auf ewig mit der CSU arrangieren?
F. K.: Zumal es infratest/dimap-Zahlen sind, also ohne den forsatypischen SPD-Hasskäppchen-Faktor. Immerhin liegt Spitzenkandidat Ude bei einem persönlichen Wert von 35 Prozent – die SPD kann also auch noch an sich selbst scheitern und braucht dafür keinen Steinbrück. Die Highlights des CSU-Wahlkampfes – Familienfilz, Höneß-Gekumpel und Betreuungsgeld – muss man wohl als heimliche Attraktionen zu sehen lernen. Die SPD müsste sich also Themen wie Korruption, Vetternwirtschaft und einem zartblau vordemokratischen Staatsverständnis öffnen. Dafür taugt ihr Spitzenkandidat aber nix.
taz: Innenminister Friedrich erklärt Sicherheit zum „Supergrundrecht“. War der zu lange in der Sonne?
"Soll geheime Verbindungen zum DFB haben, ist aber nicht darüber informiert:
Innenminister Hans-Peter Friedrich." (Quelle: taz - Bild: dpa)
[Wieso muss ich gezz an einen Kragenbär denken? - H.R.]
F. K.: Der Begriff „Sicherheit“ tauchte im Grundrechtekatalog erst unter Artikel 13 auf, und dort im Bezug auf „Sicherheit vor Seuchen“ oder „Behebung der Raumnot“. Inzwischen ist der Artikel ziemlich gebotoxt mit allerhand staatlichen Übergriffen – doch ein „Grundrecht auf Sicherheit“ enthält die Verfassung nicht.
Der Verfassungsminister steht nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. (…)
taz: Die Bundesjustizministerin hat mit mehreren Profifußballklubs eine Erklärung gegen Homophobie vorgestellt. Es ist von einem historischen Schritt die Rede – was halten Sie davon?
F. K.: Leutheussers Vorschlag, einen DFB-Wagen zum Christopher-Street-Day beizusteuern, mag ich. Theo Zwanziger hatte den Frauenfußball fokussiert – in welchem Business kann man mit einer Idee das Umsatzpotenzial verdoppeln? Und so wird sich auch der Profifußball der Sache erst annehmen, wenn klarer wird, welche wirtschaftliche Macht Schwule im Fußball repräsentieren.
taz: Und was machen die Borussen?
F. K.: Sabine hat das mit Kabelbindern am Gitter vorm Klofenster gelöst: so einen Ständer für die BVB-Fahne an Heimspieltagen. Die muss man hinterher jedes Mal durchschneiden, Ökofrevel. Also durchsuchte ich sämtliche Baumärkte nach dem „Andiefassadedübelbarenfahnenständer“ und kam heim mit einem Ersatzteil für die Reling von Segelschiffen, das so ähnlich aussieht. In Dortmund haben Baumärkte Regale für Yachtbesitzer, und wir nehmen wieder Kabelbinder. FRAGEN: CAK, ANM
http://www.taz.de/Die-Woche/!120355/
(mit neuem Outfit, aber weiterhin
nervigem Pop-up-Element
)
(Hervorh. H.R.)
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