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"Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?"

Herr Hrdlicka, Montag, 23. September 2013, 04:19

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Der komatöseste Wahlkampf endet in einem fiebrigen Wahlabend. Kinder, mein Herz!

taz: Was wird besser in dieser?

F. K.: Ich fälsche ein paar ältere Arbeiten und behaupte fortan, der Einzige gewesen zu sein, der seherisch vor einer Alleinherrschaft der Union gewarnt hatte. Geben Sie es doch zu!

taz: Die CDU ist über Erwarten stark. Erschrocken?

F. K.: Ja. Die Partei hat erhebliche personelle Mängel. Okay, so schlecht wie die FDP-Minister sind manche Schwarze auch. Eine Machtmaschine und ’ne Rutsche Praktikanten ist ungefähr das Gegenteil, was Unionswähler zu wählen meinten. 42 Prozent haben das Angebot bevorzugt, dass Merkel die Bälle weghaut von der Grundlinie. Damit ist nicht gesagt, dass sie auch nur einen offensiv spielt. Das wäre ein Déjà-vú von 1994 bis 98, als man sich menschlich scheute, den verdienten Vereiniger Kohl nett ins Seniorenheim zu begleiten.

taz: Wie konnte die AfD als eine vor ein paar Monaten gegründete Partei bei dieser Wahl so viele Stimmen kriegen?

F. K.: Das haben alle verdient – außer natürlich der AfD selbst. Eine Sekte um 80 staatskohlefinanzierte Wirtschaftsprofessoren, die uns nach der Krise jederzeit erklären konnten, warum sie uns vorher nicht davor gewarnt hatten. AfD profitiert – vom „alternativlosen“ Namen bis zum Wahlergebnis – von der Omertà der anderen Parteien: Die Legislatur hatte kein anderes Thema als Banken, Euro, Europaund im Wahlkampf war exakt das ausgeklammert. Zudem konnten FDP-Wähler denken: Wenn ich meine Stimme womöglich unter die Hürde schmeiße, dann aber mit Schmackes und in Richtung rechter Wirtschaftsliberalismus.

taz: Wie viel Schadenfreude darf man nach dem Scheitern der FDP empfinden?

F. K.: Ein Freund schreibt gerade SMS von seinem 1-Mann-Autokorso durch Bochum aus diesem Anlass. Also das geht gut. Rösler ist mit großem Lieferprogramm gestartet, und am Ende ging’s ohne Würde unter die Hürde. Der Panik-Slogan „FDP-Stimme ist Merkel-Stimme“ überfordert sogar die Dummheit der FDP-Stammwähler. Westerwelle hat jemanden gefunden, der das Handwerk noch schlechter konnte, und wird mit Lindner einen neuen Anlauf starten. (…)

taz: Könnte es sein, dass nach zwei Jahren Große Koalition die SPD doch noch rüber ins rot-rot-grüne Bad springt?

F: K.: Also der frühere hochrangige Nazi Kiesinger war 21 Jahre nach Kriegsende CDU-Kanzler. Bei allem Respekt vor den Verbrechen der SED – es gibt kein Recht für rechts, an einer Regierungsbeteiligung der Linken herum-zumaulen. 23 Jahre nach der Wende. Und keine Penislängendiskurse mehr zwischen Rot und Rosa. Das Projekt Rot-Rot beginnt schon heute. (...)

taz: Und was machen die Borussen?

F. K.: Große Erleichterung. Endlich ist Schwarz-Gelb wieder nur gut. *)

http://www.taz.de/Die-Woche/!124231/ (Hervorh. - H.R.)

*) Beziehungsweise:
http://www.bvb-fundament.de/index.php?id=41101 ;-)

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