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@Schwejk

Schwejk, Samstag, 25. Januar 2014, 11:45 @ Dammes

http://www.sueddeutsche.de/panorama/entdeckung-in-israel-private-briefe-von-ss-fuehrer-himmler-aufgetaucht-1.1871729

Dammes, hanx & fanx.

Die hier u.a. zur Sprache kommenden Hinweise auf eine Verbindung von Biedermann und Schreibtischmörder lassen mich da an die Briefe des Tötungsarztes Friedrich Mennecke an seine Frau denken, in denen das unvermittelte Nebeneinander von hochgradiger Verdinglichung und fast zerfließender Sentimentalität besonders krass und grotesk zum Ausdruck kommt.

Etwa:
"So, Mutti, jetzt hat Pa aber wieder ein Gutachten zurrechtgezimmert, über das er sich selbst freut. Der Mann wird wahrscheinlich zum Tode verurteilt."
Oder:
"Dann tranken wir noch 1 Flasche Eisenthaler und unterhielten uns sehr fließend u. schön über das Asozialen-Problem, wobei ich ausschließend der gebende (dozierende) Teil war. Es war sehr, sehr schön..."

Diesem hier abzulesenden Spaltungsphänomen entspricht die Trennung in eine "äußere" und eine "innere" Sprache.

Während Mennecke sich gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und Untergebenen betont martialisch gab, deutete er gegenüber seiner Frau Gefühle wie Angst und Hilflosigkeit zumindest an.

So entstand jene für Mennecke typische Sprache in ihrer Mischung aus Landser und Biedermann, Ortsgruppenleiter und Arzt.

Nicht überraschend vermißt man in den rund 2500 erhaltenen Seiten den Ausdruck irgendwelcher Schuldgefühle wegen seiner Beteiligung an der NS-Euthanasie.

So fest verinnerlicht er die "historische Mission" der "Rassen- und Blutshygiene" sowie einer kostendämpfenden "Modernisierung der deutschen Psychiatrie", daß ethische Zweifel erst gar nicht aufkommen.
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