BVB Fundament

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Das Haar in der Suppe

Earl Chekov, Sonntag, 02. März 2014, 09:59

Ist Aubemayang. Mangelhafte Handlungsschnelligkeit gepaart mit unzureichender Raumvorstellung hat ihn darauf reduziert scheinen Gegenspieler platt zu laufen. Das hat er allerdings mit Bravour geschafft.

Was auch nicht so prickelnd war, war die Raumaufteilung zwischen Hummels und Papa bei eigenem Ballbesitz. Sie standen häufig zu dicht beieinander. Das hat das Pressing der Würstchen begünstigt.

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Aurora., Montag, 03. März 2014, 06:26 @ Earl Chekov

Nürnberg mit guten Ansätzen, der BVB mit den richtigen Antworten – ein Spiel mit außergewöhnlichen taktischen Wechselwirkungen.

Das Duell zwischen dem 1. FC Nürnberg und Borussia Dortmund war auch ein Aufeinandertreffen der Ligaspitze – in taktischen Teilbereichen. Nürnbergs ungewöhnliche Mischung aus tiefer Ballzirkulation und klaren Schnellangriffen wurde von Dortmunds außergewöhnlich anpassungsfähigem Pressing auf die Probe gestellt.

Vor allem das Pressing innerhalb der gegnerischen Hälfte war dabei subtil aber effektiv auf den Gegner angepasst. Mkhitaryan rückte meist schon früh in die 4-4-2-Ordnung auf und startete mit Lewandowski wie gewohnt aus kompakter Grundhaltung. Der Übergang ins Pressing war dann etwas anders organisiert als üblich:
Anstatt asymmetrisch bestimmte Spieler abzusperren und dann über die Nutzung der Deckungsschatten aufzurücken, verhielten sich die beiden Pressingspitzen zunächst etwas raumtreuer. Nürnberg kam dadurch vorerst nicht ins defensive Mittelfeld und ließ den Ball zirkulieren, während Frantz und Feulner die gewohnten, weiträumigen Freilauf- und Abkippbewegungen zeigten. Bei strategisch anfälliger Positionierung im Sechserraum rückten Lewandowski und Mkhitaryan in die Aufbaukette auf und blockierten so die seitlichen Passwege, um das Vorwärtsspiel zu provozieren.

Die eröffnenden Pässe versuchte Dortmund dann dynamisch zu erobern, indem ein Sechser herausrückte und Großkreutz einschob. Letzteres wurde besonders durch Nürnbergs Aufbaustaffelung ermöglicht: Meist standen sie in einer Dreierkette mit Angha; nur Plattenhardt rückte in der ersten Aufbauphase auf. So provozierte Dortmund einige Nürnberg-untypische Ballverluste oder unkontrollierte lange Bälle. Durch die zurückbleibende Dreierkette und die zurückfallenden Mittelfeldspieler, hatte Nürnberg jedoch auch nach frühen Fehlpässen eine ordentliche Absicherung und konnte den BVB zumindest zu Halbchancen drängen.

Vereinzelt konnte Verbeeks Elf auch das Gefahrenpotential ihres guten Konzepts demonstrieren. Feulner und Kiyotake orientierten sich nach rechts/halbrechts, während auch Drmic dort beweglich agierte. Durch Anghas tiefe Positionierung hatten sie mehr Raum.

Wenn es ihnen gelang sich in diese Zone zu spielen, rückten sie sehr geschlossen und zielstrebig auf. Hlousek hielt die Breite für Verlagerungen, Drmic erzeugte Dynamik mit diagonalen Läufen und alle drei zentralen Mittelfeldspieler rückten kompakt raumsuchend hinterher. So hatte der BVB in der Endverteidigung große Probleme.

Allerdings zeigten sich diese Schwierigkeiten selten, da der Club in der Summe nicht oft genug ins letzte Drittel kam. Neben Dortmunds Pressing in den ersten beiden Linien war dafür auch Marcel Schmelzer ein Hauptgrund. Wegen Großkreutz’ etwas engerer Rolle hatte er viel Raum abzudecken und konnte einige Verlagerungen in diese Zone mit sehr starken Herausrückbewegungen abfangen.

Gegen den Ball setzte der Club auf die üblichen Mannorientierungen im 4-1-4-1. Kiyotake und Feulner stellten die Dortmunder Doppelsechs zu, während Sokratis und Hummels Überzahl gegen Pekhart hatten. Das kam dem BVB durchaus entgegen, da sie ihre Schwächen bei der Verbindung ins defensive Mittelfeld überspielen konnten.

Kehl und Sahin verhielten sich wenig präsent und schoben dadurch Passwege ins offensive Mittelfeld auf; gelegentlich sorgte auch Aubameyang für Zuordnungsprobleme per Zurückfallen in den defensiven Halbraum. Vorn agierte Mkhitaryan ausweichend und zog somit Frantz weg; schon gegen Hertha und im Pokalspiel gegen Saarbrücken konnte er seinen Wert gegen Manndeckungssysteme unter Beweis stellen.

Dadurch wurde Raum für Lewandowski geöffnet, der bei eigenem Ballbesitz zum Spielmacher avancierte. In der unkompakten Situation von Nürnbers mannorientierter Defensive konnte er seine Fähigkeiten in der Ballbehauptung und Ballverteilung optimal einbringen. Er fiel in die Lücken, behauptete sich gegen den verfolgenden Innenverteidiger – meist der körperlich unterlegene Pinola – und verteilte dann die Bälle in die Offensive.

Dort konnte dann Mkhitaryan aus ausgewichener Position dynamisch die Spitze besetzen. Auch Großkreutz und Aubameyang gingen in die Tiefe. Allerdings fiel es den Borussen schwer, wirklich sauber durchzubrechen, da Nürnberg durch die Mannorientierung und den absichernden Innenverteidiger stets Überzahl hatten; zumal sich Großkreutz und Aubameyang selten 1-gegen-1 durchsetzen.

Als freier Spieler konnte zuweilen Schmelzer nachstoßen, den Drmic nicht diszipliniert verfolgte. Das führte jedoch kaum zu echter Gefahr. Schmelzer zeigte erneut seine offensive Limitiertheit und fand die Schwachpunkte in der organisierten Nürnberger Defensive nicht. So kamen die Dortmunder zwar zu viel Offensivpräsenz und Strafraumszenen, hatten aber in der ersten Hälfte kaum hochwertige Abschlusssituationen. Die Masse der Halbchancen (15 Schussversuche bis dahin) brachte jedoch die Führung per Standardsituation in der 51. Minute.

In der zweiten Hälfte reagierte Verbeek durchaus geschickt auf die Aufbauprobleme seiner Mannschaft: Frantz bewegte sich weniger ballfordernd, sondern versuchte ausweichend Raum zu öffnen. Auch Feulner hielt sich konstanter an breite Positionen. Kiyotake zeigte dann sehr weite Rückfallbewegungen, um den Ball im verwaisten Sechserraum abzuholen. Die dadurch provozierten Herausrückbewegungen der Sechser konterte Frantz mit Vorstößen ins offensive Mittelfeld. Gewissermaßen versuchten Frantz und Kiyotake also das, was bei Mkhitaryan und Lewandowski so gut funktioniert hatte, eine Ebene tiefer.

Diese Bewegungen wurden durch die Einwechslung Campanas noch besser balanciert und fokussiert, da dieser für Feulner kam und Frantz somit eine Position vorschieben konnte. Der Spanier bewegte sich strategisch geschickt aus den Sechserräumen heraus und konnte vereinzelt Engen auflösen. Zudem kippte er oft auf rechts heraus, sodass Angha verstärkt vorschieben konnte, was noch mehr Raum im Zentrum öffnete.

Diese Maßnahmen griffen jedoch nur bedingt, da die Borussen passend reagierten. Sie gaben situativ den Zugriff im offensiven Mittelfeld auf und zogen sich kompakt in die eigene Hälfte zurück. So funktionierten Verbeeks Maßnahmen zwar insofern, als dass sie den Aufbau stärkten, allerdings fielen die zuvor gefährlichen Räume in der Offensive weg. Dortmund eroberte den Ball nun in tieferen Positionen, sodass sie mehr Raum und weniger Gegenspieler bei ihren Kontern hatten.

Zudem wurde der BVB sichtlich durch die veränderte Spielsituation unterstützt. Als Spiegelbild der Partie in Hamburg, wo sie in Rückstand sehr schwach agierten, konnten sie von der eigenen Führung sehr profitierten. Nürnberg ging mehr Risiko bei den eröffnenden Pässen und agierte unvorsichtiger im Aufrücken. So konnten sie sich auf ihre Kernkompetenzen im Defensiv- und Konterspiel konzentrieren und bauten den Vorsprung zu einem klaren Sieg aus.

Fazit

Der FCN hatte gute Ansätze und konnte im ersten Durchgang Gefahr andeuten. Quantitativ kam allerdings zu wenig, was man an kläglichen vier Schussversuchen gut ablesen kann. Die Borussen fanden stets gute Defensivkonzepte für die Spielsituation. Die Anzahl der Schüsse täuscht aber darüber hinweg, dass Nürnberg einige Angriffe hatte, bei denen sehr klare, hochgefährliche Durchbrüche möglich waren, wie bei Pekharts Pfostenschuss demonstriert.

Das Spiel untermauerte auch, dass der BVB momentan stark vom Spielverlauf abhängig ist. Es wirkte nicht unbedingt so, als ob die Dortmunder in der Lage gewesen, in der Endphase oder bei Rückstand noch ein Tor zu erzwingen. Durch die gute Grundstabilität und die konstante Offensivpräsenz fiel das eigene Tor jedoch vor dem gegnerischen – und dann war das Spiel quasi entschieden.

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Herb, Montag, 03. März 2014, 07:53 @ Aurora.

Mensch, Aurora - hast du jetzt ein Durchblick-Seminar bei Car Glass belegt ? Oder doch eher mit
Herrn Guttenberg gesoffen ?! Auf deinem Mist ist diese treffliche Analyse jedenfalls nicht gewachsen.
Sei doch so gut und nenn uns die Quelle. Ansonsten gilt: Geistiges Eigentum anderer immer schön
kenntlich machen. Man nennt das auch :ZITIEREN !

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Dr. Yo, Montag, 03. März 2014, 08:34 @ Herb

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Herb, Montag, 03. März 2014, 09:19 @ Dr. Yo

http://spielverlagerung.de/2014/03/02/borussia-dortmund-1-fc-nurnberg-30-2/

Gib Aurora doch 'ne Chance! Meinst du, das wußte ich nicht?

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Dr. Yo, Montag, 03. März 2014, 09:39 @ Herb
bearbeitet von Dr. Yo, Montag, 03. März 2014, 09:42

http://spielverlagerung.de/2014/03/02/borussia-dortmund-1-fc-nurnberg-30-2/


Gib Aurora doch 'ne Chance! Meinst du, das wußte ich nicht?

Wieso? ich bin sicher, Aurora war bewusst, dass jeder hier weiß, dass dieser Text nicht von ihm ist, sondern dass der Textsound ohnehin schreiend auf "Spielverlagerung" verweist. Mein Link sollte nur ein Service für einen allfällig anderen sein, der sich also nicht als "jeder" versteht und keinen Bock auf ein Gurgeln hat.;-)

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Herb, Montag, 03. März 2014, 11:28 @ Dr. Yo

"...der Textsound ohnehin schreiend auf "Spielverlagerung" verweist. "

Da kann man nicht immer so sicher sein - dich und Schwejk kann ich z.B. kaum bis gar nicht ausein-
anderhalten.

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Dr. Yo, Montag, 03. März 2014, 11:46 @ Herb
bearbeitet von Dr. Yo, Montag, 03. März 2014, 11:55

"...der Textsound ohnehin schreiend auf "Spielverlagerung" verweist. "

Da kann man nicht immer so sicher sein - dich und Schwejk kann ich z.B. kaum bis gar nicht ausein-
anderhalten.

Demnach doch sicher? Aber egal, jedenfalls danke. Dafür haste einen gut. ;-)

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Aurora., Montag, 03. März 2014, 18:09 @ Dr. Yo

Natürlich nicht von mir.

Niemand hat daran gezweifelt. Und doch kamen alle Reflexe, die ich erwartet hatte.

Und ich halte mich nicht grundsätzlich daran, eine Quelle anzugeben. Wozu auch, da ja jeder ... s.o.^^

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Herb, Montag, 03. März 2014, 20:51 @ Aurora.

Natürlich nicht von mir.

Niemand hat daran gezweifelt. Und doch kamen alle Reflexe, die ich erwartet hatte.

Und ich halte mich nicht grundsätzlich daran, eine Quelle anzugeben. Wozu auch, da ja jeder ... s.o.^^

Stimmt! Dein eigenes Gestammel klingt anders:

http://www.bvb-fundament.de/index.php?id=39093

Erspare mir weitere Zitate. Leider hat Yo dir hier 'ne goldene Brücke gebaut. Den Steilpass haste
natürlich gerne aufgenommen.

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Earl Chekov, Dienstag, 04. März 2014, 10:13 @ Aurora.

Das Spiel untermauerte auch, dass der BVB momentan stark vom Spielverlauf abhängig ist. Es wirkte nicht unbedingt so, als ob die Dortmunder in der Lage gewesen, in der Endphase oder bei Rückstand noch ein Tor zu erzwingen. Durch die gute Grundstabilität und die konstante Offensivpräsenz fiel das eigene Tor jedoch vor dem gegnerischen – und dann war das Spiel quasi entschieden.

Da wird detailverliebt analysiert um die Zielgruppe der Fußballverständigen anzusprechen. Und dann haut man en passant so eine populistische Scheiße in den Schlußabsatz. Kann man ja machen, da nicht überprüfbar und klingt ja auch semikritisch.

Unter uns: das können wir hier gerne hitzig in diesem Forum diskutieren. In diesem Artikel ist das gnadenlos an der Realität vorbei spekuliert

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Dammes @, Dienstag, 04. März 2014, 11:16 @ Earl Chekov

Das Spiel untermauerte auch, dass der BVB momentan stark vom Spielverlauf abhängig ist. Es wirkte nicht unbedingt so, als ob die Dortmunder in der Lage gewesen, in der Endphase oder bei Rückstand noch ein Tor zu erzwingen. Durch die gute Grundstabilität und die konstante Offensivpräsenz fiel das eigene Tor jedoch vor dem gegnerischen – und dann war das Spiel quasi entschieden.


Da wird detailverliebt analysiert um die Zielgruppe der Fußballverständigen anzusprechen. Und dann haut man en passant so eine populistische Scheiße in den Schlußabsatz. Kann man ja machen, da nicht überprüfbar und klingt ja auch semikritisch.

Unter uns: das können wir hier gerne hitzig in diesem Forum diskutieren. In diesem Artikel ist das gnadenlos an der Realität vorbei spekuliert

Da ich nur Ausschnitte von diesem Spiel gesehen habe möchte ich "hitzig" in den Ring werfen......Ich fand das bockstark was der BVB gemacht hat!

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Earl Chekov, Dienstag, 04. März 2014, 12:37 @ Dammes

Da ich nur Ausschnitte von diesem Spiel gesehen habe möchte ich "hitzig" in den Ring werfen......Ich fand das bockstark was der BVB gemacht hat!

Nachdem ich Mats ultimativ aufgefordert habe das 1:0 zu machen, war das bockstark, wie der Artikel ja auch bestättigt (Spiel de facto entschieden). Wobei mich so 10 Minuten nach dem 2:0 massiv geärgert haben, wo kleine Unkonzentriertheiten in der Defensive dem 1. FCN die Chance gegeben haben ins Spiel zurückzufinden.

In der 1ten HZ musste schon Sokratis den Friedrich machen, um Nürnberg etwas zu ermöglichen. Ansonsten war das sehr clever gespielt, strategisch Räume geschaffen...

Aubame war in den Punkten nicht wirklich klug, weil er Räume nicht nutzte, wo welche vorhanden waren. Er war auch nicht wirklich in der Lage das Spiel zu lesen. Daher war er für mich der Garp des Spiels.

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krull, Am gelben Pylon, Mittwoch, 05. März 2014, 08:49 @ Earl Chekov

So eine Analyse ist wie eine 360 Grad Grätsche, klar triffst du da auch mal den Ball, aber ansonsten ein gestelztes Bull-shit-Bingo:
Schon zu dem Satz
"Nürnbergs ungewöhnliche Mischung aus tiefer Ballzirkulation und klaren Schnellangriffen wurde von Dortmunds außergewöhnlich anpassungsfähigem Pressing auf die Probe gestellt."
kann ich nur sagen:
"Meine reflexive Wahrnehmung in Zeit und Raum, meine physische und psychische Selbstvergewisserung wird entgegen den wochenendlichen Usancen in einen Zustand des tiefen aber auch kreativen Zweifels gezogen." Vulgo: Eigentlich geh ich Samstag ins Stadion, aber ich glaub ich war woanders.

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Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 09:48 @ krull

So eine Analyse ist wie eine 360 Grad Grätsche, klar triffst du da auch mal den Ball, aber ansonsten ein gestelztes Bull-shit-Bingo:
Schon zu dem Satz
"Nürnbergs ungewöhnliche Mischung aus tiefer Ballzirkulation und klaren Schnellangriffen wurde von Dortmunds außergewöhnlich anpassungsfähigem Pressing auf die Probe gestellt."
kann ich nur sagen:
"Meine reflexive Wahrnehmung in Zeit und Raum, meine physische und psychische Selbstvergewisserung wird entgegen den wochenendlichen Usancen in einen Zustand des tiefen aber auch kreativen Zweifels gezogen." Vulgo: Eigentlich geh ich Samstag ins Stadion, aber ich glaub ich war woanders.

Ein vergleichbares Bullshitting "uni-bluffender" Studis kommentierte damalen ein Dozent oft und gern: "Der Furz war kräftig". ;-)

Sprachschwall - Harald Martenstein über die Verbreitung von Bullshit

Ich habe ein winzig kleines Buch gelesen. Es heißt Bullshit. Das Buch hat 74 Seiten, ist Anfang des Jahres erschienen und stammt von einem 77-jährigen amerikanischen Philosophieprofessor, Harry G. Frankfurt.

Er stellt die Behauptung auf, dass es in unserer Welt immer mehr Bullshit gibt. Bullshit ist alles, was man sagt oder schreibt, um bei anderen gut anzukommen. Man schreibt zum Beispiel etwas, weil es schon oft von anderen Leuten geschrieben wurde und weil es gut für die Karriere sein könnte. Das Entscheidende beim Bullshit besteht darin, dass es dem Bullshit-Produzenten nicht auf die Wahrheit ankommt, also nicht darauf, wie es wirklich ist oder wie er selbst über eine bestimmte Sache denkt. Dem Bullshittenden oder Bullshitter kommt es einzig und allein darauf an, welchen Eindruck er macht.

Bullshit ist etwas anderes als Lüge. Bullshit kann nämlich wahr sein. Das ist dann allerdings Zufall. Der Lügner will die Wahrheit verschleiern. Dem Bullshit-Produzenten ist die Wahrheit völlig egal.

Warum gibt es so viel Bullshit? Frankfurt glaubt, dass es erstens mit dem Skeptizismus zusammenhängt. Also damit, dass viele glauben, so etwas wie Wahrheit gäbe es überhaupt nicht. Dann ist es eh egal, was man sagt. Zweitens müssten in den Medien ständig alle möglichen Leute, zum Beispiel Prominente, zu allen möglichen Dingen Meinungen oder Gedanken von sich geben, auch zu Dingen, von denen sie fast nichts verstehen. Dabei kann nur Bullshit herauskommen. Wenn man Michelle Hunziker fragt, ob Eros Ramazotti gut küsst und ob man Tätowierungen regelmäßig eincremen muss, gibt man ihr eine Chance, die Wahrheit oder zumindest ihre ganz persönliche Wahrheit zu sagen. Wenn man sie fragt, wie ein gerechtes Steuersystem aussehen könnte, zwingt man dieses bezaubernde Geschöpf dazu, bullzushitten. So etwas passiert aber in den Zeitungen und im Fernsehen andauernd.

Im Internet habe ich gelesen, dass in amerikanischen Konferenzen manchmal ein Spiel namens "Bullshit-Bingo" veranstaltet wird. Die Konferenzteilnehmer haben versteckte Kärtchen, auf denen in Kästchen typische Bullshit-Wörter stehen wie "Synergie" oder "fokussieren". Sobald ein solches Wort in der Konferenz verwendet wird, darf man ein Feld ankreuzen. Wer als Erster eine Fünferreihe voll hat, springt auf und ruft laut dröhnend in den Raum: "Bullshit-Bingo!" Ich glaube, dass man dieses Spiel auch bei der Lektüre von Leitartikeln spielen kann.
In den Kästchen stehen dann Formulierungen, die kein Mensch von unversehrtem Verstande jemals benutzt, außer in ironischer Weise oder in Leitartikeln, und zwar aus dem einzigen Grund, damit es gewichtig klingt, Wörter wie "indes", "hierzulande", "Führungsriege" oder "gleichwohl". Wahrscheinlich könnte man auch in intimen Situationen Bullshit-Bingo spielen. In den Kästchen müssten dann aber etwas komplexere Formulierungen stehen wie "Ich habe meine letzte Beziehung noch nicht verarbeitet" oder "Mit dir kann man so toll über alles reden".

Damit möchte ich indes nicht behaupten, dass ich selber nie Bullshit von mir gebe. Darf man denn hierzulande immer nur die Fehler der anderen anprangern?

DIE ZEIT Nº 18/2006

[image]

Bullshit oder nicht, dieses schwer verdauliche Produkt Luhmanns übersetzte Himmelreich leserfreundlich: "Gott ist erstaunlich. Er kann bewegungslos im Himmel hocken und trotzdem alle Strippen ziehen. Wirklich erstaunlich." ;-)

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krull, Am gelben Pylon, Mittwoch, 05. März 2014, 10:07 @ Dr. Yo

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.

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Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 10:15 @ krull
bearbeitet von Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 10:23

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.

Ich universalisiere: In allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es den Verwendern nützlich erscheint, sprachliche Fassaden aufzubauen. Kinderspiel, u.a. PowerPoint-Lexik sei Dank. ;-)

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krull, Am gelben Pylon, Mittwoch, 05. März 2014, 10:27 @ Dr. Yo

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.


Ich universalisiere: In allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es den Verwendern nützlich erscheint, sprachliche Fassaden aufzubauen. Kinderspiel, u.a. PowerPoint-Lexik sei Dank. ;-)

Watt is mit Fußballforen? ;-)

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Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 11:24 @ krull

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.


Ich universalisiere: In allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es den Verwendern nützlich erscheint, sprachliche Fassaden aufzubauen. Kinderspiel, u.a. PowerPoint-Lexik sei Dank. ;-)


Watt is mit Fußballforen? ;-)

Klarer Fall einer Ausnahme, für die das kluge Wort Carl Schmitts gilt:

"Die Ausnahme ist interessanter als der Normalfall. Das Normale beweist nichts, die Ausnahme beweist alles. (...) In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik.“

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Herb, Mittwoch, 05. März 2014, 11:33 @ Dr. Yo

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.


Ich universalisiere: In allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es den Verwendern nützlich erscheint, sprachliche Fassaden aufzubauen. Kinderspiel, u.a. PowerPoint-Lexik sei Dank. ;-)


Watt is mit Fußballforen? ;-)


Klarer Fall einer Ausnahme, für die das kluge Wort Carl Schmitts gilt:

"Die Ausnahme ist interessanter als der Normalfall. Das Normale beweist nichts, die Ausnahme beweist alles. (...) In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik.“

Yo, Schwejk - ich hab' bei dir einen gut. Warum nicht hier:

http://www.zumböhmischendorf.de/

Mal ein schönes Tankbier verkosten! ;-)

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Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 11:58 @ Herb
bearbeitet von Dr. Yo, Mittwoch, 05. März 2014, 12:03

Herb; du bist ja ein ganz "Pfiffigen"; laß bitte den Scheiß. Du weißt, wovon ich schreibe. Keinen Bock, dir eine erneute E-Mail zu schicken. Danke.

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Lisa @, FFM, Mittwoch, 05. März 2014, 13:08 @ krull

Bullshit-Bingo soll auch bei Schulkonferenzen ein kurzfristiger Zeitvertreib sein.


Ich universalisiere: In allen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es den Verwendern nützlich erscheint, sprachliche Fassaden aufzubauen. Kinderspiel, u.a. PowerPoint-Lexik sei Dank. ;-)


Watt is mit Fußballforen? ;-)

Phrasenschwein?

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