"Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?"
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?
Friedrich Küppersbusch: Der Spiegel stemmte eine berührende Geschichte über unsere Kriegsvergangenheit auf den Titel. Gegen den eher bewaffneten Zeitgeist.
taz: Und was wird besser in dieser?
F. K.: „Separatisten“, „russische Freischärler“, „grüne Männchen“: Die Nachrichtensprache scheint sich mit Demokratenbejubeln auf dem Maidan verausgabt zu haben und feindbildet wehrertüchtigend herum.(…) [*)]
taz: Das EU-Parlament hat einheitliche Regeln für die Sanierung von Banken beschlossen. Finanzminister Wolfgang Schäuble feiert die Bankenunion als das „größte europäische Projekt seit der Einführung des Euro“. Wird jetzt alles gut?
F. K.: So gut wie Schäuble kann es gar nicht werden. Der hatte sich zähest gegen exakt diese Bankenunion gewehrt; langwierige Änderungen der europäischen Verträge gefordert; mit dem Verfassungsgericht gedroht. Und vor allem verhindern wollen, dass die Sparer querhaften: alle Europäer für alle europäischen Banken. Nun hat das EU-Parlament durchgesetzt, dass gemeinsam gehaftet und in den Einlagensicherungsfonds eingezahlt wird. Weil das alles sehr kompliziert ist, sagt Schäuble jetzt, das sei doch ein schöner Erfolg und setzt drauf, dass keiner seine weitgehende Niederlage merkt. Klappt. (…)
taz: Bild und BZ haben eine Petition gestartet und befinden: „In einer Zeit, in der russische Panzer das freie, demokratische Europa bedrohen, wollen wir keine Russen-Panzer am Brandenburger Tor.“ Spitzenanalyse, oder?
F. K.: Solange der Finanzminister im „Reichsluftfahrtministerium“ residiert und die Landesvertretung Thüringen in Goebbels’ Propagandabude, hat Springer noch einiges aufzuräumen. Vom Springer-Hochhaus kann man auch das 600-Millionen-Gadget „Berliner Schloss“ gut sehen, wo Wesentliches zum Stattfinden des Ersten Weltkrieges geleistet wurde. Die Art, wie Berlin mit jeder Verschönerung im Herzen hässlicher wird, sollte der Stadt den Ehrentitel „Berlusconi des Nordens“ eintragen. Vielleicht ist es aber nur ein neuer Brauch zum 20. 4. – der Führer sah russische Panzer in Berlin auch eher kritisch. (…)
taz: Und was machen die Borussen?
F. K.: Als das letzte Stahlwerk ging, wurde die „Phoenix“-Fläche in Hörde planiert, geflutet und schmückt den Stadtteil nun als Binnensee. So ähnlich stelle ich mir das mit dem Westfalenstadion vor, wenn Klopp abgeworben würde. Wehe.
FRAGEN: JUP http://www.taz.de/Die-Woche/!137125/
[*) - Hervorh. H.H.]
http://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8
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- "Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?" - Herr Hrdlicka, 22.04.2014, 03:26
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- "Russisches Roulette" - Herr Hrdlicka, 25.04.2014, 18:53
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- "Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?" - Herr Hrdlicka, 26.04.2014, 19:12
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