"Linkisch, hilflos, fahrlässig"
Eine Rhetorikanalyse von Fritz J. Raddatz
“Nicht jeder Politiker kann über das sprachliche Vermögen eines Carlo Schmid verfügen - lang, lang ist's her, und längst vergessen ist er. Aber ist es denn zu viel verlangt, wenn man erwartet, die Kanzlerin möge sich so ausdrücken, dass man sie erstens versteht und man sich zweitens nicht schämen muss? (…)
Die ’Jenachdemerin’, wie die ’Zeit’ sie nennt, oder die 'Zauder-Künstlerin’, wie in der ’Faz’ formuliert, hat evident große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. (…)
Diese erfolgreiche Politikerin hat sich eine ganz eigene Grammatik des Unkonkreten zusammengebaut. (…)
Kein Wunder, dass der verstorbene Sozialdemokrat Peter Struck sie recht vertrackt lobte: Sie sei ein guter Pilot, doch wüssten die Passagiere nicht, wo sie schließlich landeten. (…)
Ihre Rhetorik ist die der Verkündigung, und die Details der dazu verwendeten Behauptungen sind Fertigware, vorgefertigte Teile aus dem Lego-Baukasten. Plattenbauten. (…)
Aber weil sie tatsächlich manches besser weiß und ganz gewiss besser macht als etwa der nun doch küssende Pleitier Hollande oder die sich fast beneidenswert hurtig in Lügengewebe einkleidenden griechischen Politiker - deswegen ist die Frau beliebt. Wobei ich gleich ein mea culpa einfügen möchte: Auch ich finde Angela Merkel nicht unsympathisch, ich mag ihre unprätentiöse Art, ihr Interesse für Kunst und Künstler, das sie nie an die große Wahlkampfglocke hängt. Nur ist "Beliebtheit" für die Popularitätskurve von Politikern zwar wichtig, aber im Grunde keine politische Kategorie! Wenn die Deutschen ihre Politiker "lieben", ist allemal Vorsicht geboten.
Die linkisch-hilflosen Dicta von Angela Merkel sind allgegenwärtig: 'Damit es in Deutschland besser geht, wer-
den die Weichen aufwärts gestellt’ (…) Wobei auffällig ist, dass die Naturwissenschaftlerin offensichtlich Schwierigkeiten mit der Materie hat: Wie macht man das: die Weichen aufwärts stellen? (…)
[ *) ]
Deutlichkeit ist Merkels Sache nicht. Viele ihrer Sätze gleichen ausgepulten Erbsenschalen, und die fallen raschelnd, weil fruchtlos und leer, auf den Boden: (…) Noch in ihrer Regierungserklärung vom 21. Februar 2013 wimmelt es von schiefen Bildern: ’Ziele, die uns geleitet haben’; banalen Hohlformen: ’inflationsbereinigt gibt
es keinen Aufwuchs’; und leerem Sprachstroh: ’Die Obergrenze des Haushalts jetzt ist auch eine Frage der Gerechtigkeit’.
Dieses Polit-Abrakadabra macht Menschen misstrauisch gegen das Gesagte - selbst, wenn die Inhalte manchmal stimmen.
Siegfried Jacobsohn, der höchst stilempfindliche Herausgeber der legendären ’Weltbühne’, war gelegentlich irritiert vom Geschwurbel seines prominenten Mitarbeiters Kurt Tucholsky. Der antwortete auf dessen Vorhaltungen über allzu Gedrechseltes mit ’Ich wollte nur sagen ..’
Darauf kam ein bündiges ’Dann sag's.’."
http://www.stern.de/politik/deutschland/rhetorikanalyse-fuer-wie-dumm-haelt-frau-merkel-ihr-volk-2050936.html
(Hervorh. H.R.)
*) Nein, nicht: “Sonderzug nah Pankow“! oder
“ Es fährt ein Zug nach Nirgendwo – mit mir allein als Passagier …“ -
“From station to station“?
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- "Linkisch, hilflos, fahrlässig" - Herr Hrdlicka, 16.08.2013, 09:39
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